Seniorengerechte Küche – Ergonomie und Unfallprävention

Seniorengerechte Küche - Ergonomie und Unfallprävention
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Eine seniorengerechte Küche kann Ihnen im Alter bei eingeschränkter Mobilität ein Stück Selbständigkeit zurückgeben. Wir zeigen Ihnen, wie das geht.

Für Senioren ist es im Alter besonders wichtig, sich die Lebensqualität in den verschiedensten Bereichen zu erhalten. Dazu gehört nicht zuletzt das Wirtschaften in der eigenen Küche. Doch viele alltägliche Dinge gehen plötzlich nicht mehr so leicht von der Hand. Töpfe aus dem Schrank zu räumen, die Spülmaschine leeren oder Kartoffeln schälen werden mit zunehmendem Alter zum Kraftakt. Rückenschmerzen oder die nachlassende Kraft in den Beinen führen zu eingeschränkter Mobilität. Vieles lässt sich allerdings wieder erleichtern, wenn die Küche seniorengerecht gestaltet ist. Worauf es bei der Einrichtung, bzw. Umgestaltung einer seniorengerechten Küche ankommt, erfahren Sie im Folgenden.

Worauf kommt es bei einer seniorengerechten Küche an?

Ist eine Küche seniorengerecht, ist sie ein Stück weit auch behindertengerecht und damit auf Menschen ausgerichtet, welche mit einer eingeschränkten Mobilität leben müssen. Viele Veränderungen in der Küche, welche Menschen mit Handicap das Leben erleichtern, können auch Senioren Erleichterung im Alltag bieten.

Dabei ist nicht zuletzt die Rede von Arbeitsgeräten, welche sich in erhöhter Position befinden und Senioren damit das lästige Bücken ersparen. Stundenlanges Stehen an der Spüle oder am Herd ist im Alter nicht mehr möglich, daher sollten diese Arbeitsflächen gut auch im Sitzen erreichbar sein. Dabei bekommt es besonders auf die notwendige Beinfreizeit unter der Arbeitsfläche an.

Viele Oberschränke sind nur schlecht erreichbar. Wird eine Leiter zu Hilfe genommen, kann dies zu einem Unfallrisiko werden. Hierbei bieten elektronisch bedienbare Oberschränke eine Lösung. Diese lassen sich auf Wunsch per Knopfdruck herunterfahren und erleichtern damit das gefahrlose Wirtschaften in der Küche ungemein.

So planen Sie die seniorengerechte Küche vorausschauend

Um eine Küche seniorengerecht zu gestalten, ist einiges an Planung notwendig. Dabei ist es ratsam, sich zunächst vor Augen zu führen, welche einzelnen Arbeitsschritte im Küchenalltag notwendig sind und durch die Umgestaltung der Küche erleichtert werden sollen.

Die wichtigsten Arbeiten in der Küche auf einen Blick:

  • Lebensmittel
    • aus- und einräumen
    • putzen und waschen
    • kochen oder braten
  • Geschirr
    • aus- und einräumen
    • abwaschen
  • Abfälle entsorgen

In einer seniorengerechten Küche kommt es primär auf kurze Arbeitswege an. Jeder Schritt bedeutet dabei quasi eine Erleichterung. Soll die seniorengerechte Küche komplett neu geplant werden, haben Sie die Möglichkeit, nach diesem Schema eine Küche mit möglichst kurzen Verbindungswegen zu planen. Werden die Lebensmittel aus dem Kühlschrank genommen, ist es praktisch, diese sofort auf der Arbeitsplatte ablegen zu können. Sind die Lebensmittel vorbereitet, wandern sie auf den Herd. Dieser sollte sich an die Arbeitsplatte anschließen. Die Spülmaschine, das Spülbecken und die Möglichkeit der Abfallentsorgung schließen die Küchenzeile ab.

Worauf ist bei der Küchenplanung besonders zu achten?

Bei der Planung der notwendigen Ein- und Umbauten ist besonders darauf zu achten, dass Senioren in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und es ihnen daher immer schwerer fällt, in einer Standardküche zu wirtschaften. Das Bücken, um Backofen, Kühlschrank oder Spülmaschine zu erreichen, ist nur noch unter großen Anstrengungen möglich. Der Rücken wird entlastet, wenn diese Geräte erhöht angeordnet werden und der Senior sie praktisch vor Augen hat und bequem öffnen kann.

Schränke werden ebenfalls zu Stolperfallen. Einen Topf aus einem Unterschrank zu bekommen, ist oft nur möglich, wenn man sich dabei auf den Fußboden kniet. Ist dies Senioren nicht mehr möglich, sollten herausziehbare Fächer eingebaut werden. Gleiches gilt für die Hängeschränke, wo auf herunterfahrbare Aufsätze oder Einsätze, die sich herunterklappen lassen zurückgegriffen werden kann.

Tipp: Hängen Sie seniorengerechte Hängeschränke nicht höher auf, als mit einem Abstand von 1,40 Meter bis zur Unterkante.

❖ Schränke müssen weichen

Der gute alte Küchenschrank wird für Senioren mehr und mehr zu einer Hürde. Sie können die Schranktüren über ihren Köpfen nicht erreichen und gelangen auch nicht mehr in die Schränke, die sich am Boden befinden. Daher haben sich die Küchenplaner vermehrt Gedanken gemacht und heute bereits Küchen entwickelt, die Schränke komplett vermissen lassen und stattdessen komplett auf Schubladen setzen.

Tipp: Schubladen entlasten den Rücken und lassen Küchenutensilien viel schneller und bequemer auffinden.

❖ Küchengeräte contra Rücken

Sie haben Rücken? Dann können Sie sich vorstellen, wie beschwerlich es für Senioren wird, sich bücken zu müssen. Der Backofen, die Spülmaschine, der Kühlschrank – all diese Gerätschaften befinden sich täglich im Gebrauch. Daher ist es wohl die wichtigste Aufgabe in einer seniorengerechten Küche, diesbezüglich Entlastung zu versprechen.

Die Küchengeräte auf Augenhöhe zu bringen, ist zwar mit einigen Kosten und einigem Aufwand verbunden, sofern die Küche bereits vorhanden ist – verspricht den Senioren aber eine wesentliche Arbeitserleichterung und kann das Wirtschaften in der eigenen Küche auch weiterhin möglich machen, ohne letztlich auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

❖ Der seniorengerechte Arbeitsplatz

Seniorengerechter Arbeitsplatz
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Viele Senioren kochen täglich frisch. Dies bedeutet, dass die Vor- und Zubereitung der Speisen einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Stundenlanges Stehen wird dabei allerdings meist nicht mehr möglich sein. Daher ist die Arbeitsfläche diesen Gegebenheiten anzupassen und sollte sich auch im Sitzen gut erreichen lassen.

Tipp: Rollcontainer füllen den Stauraum unter der Arbeitsfläche sinnvoll aus.

Kann die Arbeitsfläche nicht entsprechend umgestaltet werden, behelfen Sie sich mit einem Stuhl und einen kleinen Tisch. Dieser passt auch in kleine Küchen und kann so gewählt werden, dass er sich zusammenklappen lässt, wenn er nicht gebraucht wird.

❖ Unfallquellen ausschließen

Die meisten Unfälle passieren im Haushalt. Die Gefahr hierfür steigt natürlich, wenn die körperlichen und geistigen Funktionen nachlassen und man weniger mobil und weniger sicher auf den Beinen ist. Damit die eigene Küche nicht zur Unfallquelle wird, sollten einige Maßnahmen ergriffen werden.

So sollten Sie auf einen sicheren und rutschfesten Boden achten, damit es in der Küche nicht zu Stürzen kommt . Griffleisten entlang der Arbeitsplatte oder vor der Kochstelle bieten sich an, damit sich die Senioren abfangen können, wenn sie einmal ins Straucheln geraten.

Achten Sie bei den Küchengeräten auf Modelle mit seniorengerechten Bedienelementen. Damit es nicht zum unkontrollierten Laufenlassen von Herdplatten oder Backofen kommt, sollten diese Geräte mit einer Abschaltautomatik versehen sein. Übersichtliche Displays und großzügige Bedienelemente erleichtern Senioren die Arbeit mit den technischen Gerätschaften.

Tipp: Entscheiden Sie sich für ein Induktionskochfeld. Senioren können sich damit keine Verbrennungen zuziehen und auch die Überhitzung des Kochfeldes kann ausgeschlossen werden.

Für eine ausreichende Beleuchtung im Küchenbereich sorgen LED Lampen, welche wenig Energie verbrauchen und auch keine hohe Wärmeentwicklung aufweisen.

So sieht eine seniorengerechte Küche aus:

  • Spüle, Herd und Kühlschrank erhöht platzieren
  • Tische und Arbeitsplatten höhenverstellbar
  • Elektrogeräte sichern
  • Induktionsherd
  • Haltegriffe an den Arbeitsplatten anbringen
  • Schubladen statt Schränke
  • Arbeitsplatte in sitzender Position erreichbar
  • Boden rutschfest
  • ausreichende Beleuchtung

Wohnung seniorengerecht umgestalten – gibt es Zuschüsse?

Für barrierefreie Bau- und Modernisierungsmaßnahmen, um behinderten oder in ihrer Mobilität eingeschränkten Senioren den Verbleib in der eigenen Wohnung zu ermöglichen, gibt es einige Förderprogramme.

Die Pflegekasse gewährt „Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes“. Für Personen der Pflegestufen 1 bis 5 werden pro Maßnahme maximal 4.000 Euro bewilligt. Zuschüsse für alters- und behindertengerechtes Wohnen werden auch von der KfW-Bank bereitgestellt. In den Töpfen von Bund und Ländern befinden sich individuelle Förderprogramme für den Wohnungsbau.

Tipp: Informieren Sie sich über die individuellen Gegebenheiten vor Ort.

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