Ingweröl selber zu machen ist keine Hexerei, sondern eine Möglichkeit, die Kraft der Ingwerwurzel auf natürliche Weise zu nutzen. Hier eine Anleitung dafür.
Ingwer gehört seit Jahrhunderten zu den beliebtesten Heil- und Gewürzpflanzen weltweit. Ob in der asiatischen Küche, in der traditionellen chinesischen Medizin oder als bewährtes Hausmittel gegen Erkältungen – die scharfe Knolle hat sich ihren festen Platz redlich verdient. In den letzten Jahren rückt jedoch ein Produkt immer stärker in den Fokus gesundheitsbewusster Menschen: Ingweröl. Dieses intensiv duftende Öl vereint die geballte Kraft des Ingwers in konzentrierter Form und lässt sich vielseitig einsetzen – von der Hautpflege über Massagen bis hin zur innerlichen Anwendung. Das Tolle: Ingweröl können Sie sogar selber machen. In diesem Artikel erkläre ich ausführlich, wofür Ingweröl verwendet wird und wie Sie es Schritt für Schritt selbst herstellen können.
Wofür verwendet man Ingweröl?
Ingweröl ist ein echtes Multitalent. Seine Wirkung basiert vor allem auf den enthaltenen Scharfstoffen wie Gingerol und Shogaol sowie auf ätherischen Bestandteilen, die dem Öl seinen charakteristischen Duft verleihen. Diese Kombination macht Ingweröl sowohl in der Naturheilkunde als auch im Wellnessbereich äußerst beliebt.
Besonders häufig wird Ingweröl zur Förderung der Durchblutung eingesetzt. Bei Muskelverspannungen, kalten Füßen oder einem trägen Stoffwechsel kann das Öl wohltuend wärmend wirken. Auch im Bereich der Aromatherapie findet Ingweröl Verwendung, da sein Duft anregend, belebend und leicht stimmungsaufhellend sein kann. Viele Menschen schätzen es außerdem als Unterstützung bei Verdauungsbeschwerden, Übelkeit oder einem Völlegefühl. Außerdem hilft Ingwer bei Erkältungen. Besonders wirkungsvoll ist hier zum Beispiel der Ingwer-Shot.
In der Hautpflege wird Ingweröl gerne als Bestandteil von Massageölen oder Körperölen genutzt. Es kann die Hautdurchblutung fördern und verleiht ein angenehm warmes Gefühl. In der Erkältungszeit kommt Ingweröl zudem bei Dampfbädern oder Brustmassagen zum Einsatz, um die Atemwege zu unterstützen. Kurz gesagt: Ingweröl ist kein Allheilmittel, aber ein vielseitiger Begleiter für Alltag und Wohlbefinden.
Kann man Ingweröl überhaupt selber machen?
Bevor wir zur eigentlichen Anleitung kommen, lohnt sich eine kurze Klarstellung. Das klassische ätherische Ingweröl, wie Sie es in Apotheken oder Fachgeschäften kaufen können, wird durch Wasserdampfdestillation hergestellt. Dieses Verfahren ist zu Hause kaum realistisch umzusetzen. Was Sie jedoch problemlos selbst herstellen können, ist ein sogenannter Ingwerölauszug oder ein Ingweröl-Mazerat. Dabei werden die wertvollen Inhaltsstoffe des Ingwers in ein hochwertiges Trägeröl überführt.
Dieser selbst gemachte Ingwerölauszug ist hervorragend für äußere Anwendungen geeignet und kann – bei sorgfältiger Herstellung – auch in kleinen Mengen innerlich verwendet werden. Für den Hausgebrauch ist diese Variante absolut ausreichend und deutlich günstiger als gekaufte Produkte.
Die richtigen Zutaten und Utensilien
Für die Herstellung von Ingweröl benötigen Sie keine exotischen Gerätschaften, sondern vor allem gute Zutaten.
- Frischer Bio-Ingwer ist hier besonders wichtig, da die Schale mitverwendet wird und möglichst frei von Pestiziden sein sollte. Verwenden Sie kein Bio-Produkt, müssen Sie den Ingwer schälen.
- Als Trägeröl eignen sich neutrale Öle mit langer Haltbarkeit wie Olivenöl, Jojobaöl oder Mandelöl.
- Zusätzlich benötigen Sie ein scharfes Messer oder eine feine Reibe, ein sauberes Schraubglas sowie ein feines Sieb oder ein Mulltuch zum Abseihen. Hygiene spielt eine wichtige Rolle, damit das Öl später nicht verdirbt.
Anleitung zur Herstellung von Ingweröl
🫚 Schritt 1 – Ingwer vorbereiten
Zunächst waschen Sie den Ingwer gründlich unter warmem Wasser und bürsten eventuelle Erdreste ab. Anschließend trocknen Sie die Knolle sorgfältig. Danach wird der Ingwer entweder fein gerieben oder in sehr dünne Scheiben geschnitten. Je feiner der Ingwer zerkleinert ist, desto besser können sich die Wirkstoffe später im Öl lösen.
🫚 Schritt 2 – Ingwer trocknen lassen
Ein wichtiger, oft unterschätzter Schritt ist das Antrocknen des Ingwers. Frischer Ingwer enthält viel Wasser, das die Haltbarkeit des Öls beeinträchtigen kann. Legen Sie den zerkleinerten Ingwer daher für einige Stunden auf ein sauberes Küchentuch und lassen Sie ihn gut abtrocknen. Er sollte nicht komplett austrocknen, aber deutlich weniger Feuchtigkeit enthalten.
🫚 Schritt 3 – Ingwer mit Öl ansetzen
Geben Sie den vorbereiteten Ingwer in das Schraubglas und übergießen Sie ihn vollständig mit dem gewählten Trägeröl. Achten Sie darauf, dass der Ingwer komplett bedeckt ist, da er sonst schimmeln kann. Verschließen Sie das Glas fest und schütteln Sie es leicht, damit sich alles gut verteilt.
🫚 Schritt 4 – Ziehzeit und Geduld
Nun beginnt der Teil, der Geduld erfordert. Das Glas wird für etwa vier bis sechs Wochen an einen warmen, aber nicht sonnigen Ort gestellt. Während dieser Zeit sollten Sie das Glas alle paar Tage leicht schütteln, um die Extraktion zu unterstützen.
🫚 Schritt 5 – Abseihen und Abfüllen
Nach der Ziehzeit seihen Sie das Ingweröl durch ein feines Sieb oder ein Mulltuch ab. Drücken Sie den Ingwer gut aus, damit möglichst viele Wirkstoffe im Öl landen. Füllen Sie das fertige Ingweröl anschließend in eine dunkle Glasflasche und beschriften Sie diese mit Herstellungsdatum. Kühl und dunkel gelagert, ist das Öl circa 6 Monate haltbar.
So wenden Sie Ingweröl richtig an

💆🏻 Äußerliche Anwendung von Ingweröl
Für die äußerliche Anwendung eignet sich Ingweröl besonders gut als Massageöl. Vor allem bei Verspannungen im Nacken-, Schulter- oder Rückenbereich kann eine Massage mit Ingweröl angenehm wärmend wirken. Da Ingweröl sehr intensiv ist, sollten Sie es vor der Anwendung auf der Haut noch einmal verdünnen, zum Beispiel mit etwas Mandelöl.
Auch bei kalten Füßen oder Händen kann das Einreiben mit Ingweröl für wohlige Wärme sorgen. In der Erkältungszeit bietet sich eine sanfte Brustmassage an, die als wohltuendes Ritual vor dem Schlafengehen genutzt werden kann.
Ebenso können Sie Ingweröl gegen Akne und Pickel einsetzen. Dazu die Pickel einfach mit ein bisschen Ingweröl betupfen.
Sie können das Ingweröl auch im Verhältnis 1:3 mit Kokosöl vermischen und ein- bis zweimal wöchentlich auf die Kopfhaut auftragen, um so das Haarwachstum anzuregen.
Wichtig ist, vor der ersten Anwendung einen kleinen Hauttest durchzuführen, um mögliche Reizungen auszuschließen.
🤕 Innerliche Anwendung von Ingweröl
Die innerliche Anwendung sollte mit besonderer Vorsicht erfolgen. Hier gilt: Weniger ist mehr. In der Regel reicht ein Tropfen Ingweröl, der in einen Teelöffel Honig oder in warmes Wasser gegeben wird. Diese Anwendung kann die Verdauung unterstützen und bei Übelkeit, Erbrechen, Bauch- und Menstruationsschmerzen helfen.
Da es sich um einen Ölauszug handelt und nicht um reines ätherisches Öl, ist die Dosierung dennoch ernst zu nehmen. Eine regelmäßige Einnahme über längere Zeiträume ist nicht empfehlenswert, sondern eher als kurzfristige Unterstützung gedacht.
Wer sollte Ingweröl nicht verwenden?
So vielseitig Ingweröl auch ist, es gibt Personengruppen, die vorsichtig sein oder ganz darauf verzichten sollten. Menschen mit sehr empfindlicher Haut können auf Ingweröl mit Rötungen oder Brennen reagieren. Auch während der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten, insbesondere bei der innerlichen Anwendung.
Personen mit Gallensteinen, Magengeschwüren oder einer bekannten Ingwer-Unverträglichkeit sollten Ingweröl ebenfalls nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt verwenden. Für Kinder ist Ingweröl nur stark verdünnt und ausschließlich äußerlich geeignet. Generell gilt: Bei Unsicherheiten lieber einmal mehr nachfragen als später bereuen.










